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15.12.2017: HIPPY leistet Pionierarbeit für die Gesellschaft

Internationales Familienbildungsprogramm des DRK Darmstadt feiert 15-jähriges Bestehen

Moritz Müller (rechts) würdigte die erfolgreiche Arbeit des HIPPY-Teams mit einer Urkunde von IMPULS Deutschland. Riza Yilmaz, Gülseren Akin, Filiz Koc und Buket Dagdelen (v.l.n.r.) nahmen die Auszeichnung entgegen. (Foto: DRK Darmstadt)

Ein Dankeschön an die Hausbesucherinnen. Sie sind wichtiger Teil des Er-folgs von HIPPY. Denn sie sprechen die Sprache der Eltern und ermöglichen somit einen niedrigschwelligen Zugang zum Familienbildungsprogramm. (Foto: DRK Darmstadt)

HIPPY (Home Interaction for Preschool Youngsters) ist ein internationales Familienbildungsprogramm, das Kinder und Eltern gleichermaßen fördert. Es stärkt die Erziehungskompetenz insbesondere von Müttern und unterstützt die Entwicklung von Vorschulkindern. In Darmstadt wird das Programm mittlerweile seit 15 Jahren erfolgreich vom DRK Darmstadt umgesetzt. Ein Grund zu feiern: Am 12. Dezember hatten der Leiter Sozialarbeit beim DRK Darmstadt, Riza Yilmaz, und die Koordinatorin des HIPPY-Programms in Darmstadt, Buket Dagdelen, nach Darmstadt-Arheilgen in das Muckerhaus eingeladen, um gemeinsam mit ihren Gästen die Erfolge, aber auch die Herausforderungen der vergangenen Jahre zu reflektieren. Ergänzt wurde der Rückblick von einem Fachvortrag über „Diversitätsbewusste Familienbildung im interkulturellen Kontext“, von Dr. Kemal Bozay. Der Vertretungsprofessor an der Fachhochschule Dortmund verdeutlichte, dass HIPPY wichtige Pionierarbeit für die sich wandelnde Gesellschaft leistet.

Begrüßt wurden die Gäste von Dr. Gregor Wehner, Präsident des DRK Darmstadt. Neben Erzieherinnen und Erziehern von Darmstädter Kindertagesstätten waren auch Dr. Ursula Blaum (FDP), Dorothee Schmitt (CDU), Ümit Cengiz (Ausländerbeirat Darmstadt), Bülent Ersoy (Amt für Interkulturelles und Internationales) sowie Prof. Bernhard Meyer (Lions Club Darmstadt) der Einladung gefolgt.

Präventionsprojekt für Chancengleichheit

Dr. Gregor Wehner wies auf die vielseitige Sozialarbeit des Kreisverbands hin. HIPPY sei ein wichtiger Baustein für Bildung und Integration. Er dankte den Unterstützern, durch deren finanzielle Hilfe das Familienbildungsprogramm dauerhaft möglich wird – darunter die Wissenschaftsstadt Darmstadt, die CRATON Stiftung und der Lions Club Darmstadt. Die Sozialdezernentin der Wissenschaftsstadt Darmstadt Barbara Akdeniz betonte, dass die finanzielle Unterstützung in diesem Präventionsprojekt gut angelegt ist. Denn teilnehmende Kinder erhielten damit ein Stück Chancengleichheit. „Noch heute ist der sozioökonomische Status der Eltern ausschlaggebend für den Bildungsverlauf der Kinder“, so Barbara Akdeniz.

„Das Konzept von HIPPY stammt ursprünglich aus Israel“, erklärte Moritz Müller. Als stellvertretende Geschäftsführer von Impuls Deutschland Stiftung e. V. würdigte er das Engagement des HIPPY-Teams mit einer Urkunde. „Ein Programm aufzubauen ist die eine Seite. Es zu verstetigen eine ganz andere“, so Moritz Müller weiter. Impuls Deutschland ist heute Lizenzgeber des Familienbildungsprogramms und entwickelt das Konzept gemessen an gesellschaftlichen Bedürfnissen kontinuierlich weiter. Unter anderem wurde das Angebot aktuell an geflüchtete Familien angepasst.

Wichtiger Teil des Erfolgs: Hausbesuche

Das DRK Darmstadt wendet das Familienbildungsprogramm erfolgreich an und zählt darüber hinaus zu den Gründungsmitgliedern, die 2003 HIPPY in Deutschland ins Leben gerufen haben. HIPPY ist präventiv und wirkungsvoll: Kinder werden für den Eintritt in die Schule gestärkt. Frauen gehen selbstbewusst hervor. Hausbesuche sind ein wichtiger Teil von HIPPY. Auf diese Weise werden auch Familien in schwierigen Lebenslagen erreicht. Die Hausbesucherinnen sprechen Arabisch, Russisch oder auch Türkisch. Indem sie die Sprachen teilnehmender Familien sprechen, wird ein niedrigschwelliger Zugang zum Bildungsprogramm gewährleistet, schildert Buket Dagdelen. Zwei der Hausbesucherinnen, Filiz Koc und Gülseren Akin, wirken bereits seit den Anfängen mit.

Insgesamt nahmen 778 Familien in den vergangenen 15 Jahren an HIPPY teil. Das Präventionsangebot richtet sich grundsätzlich an alle sozial benachteiligte schwache Familien. Angenommen wird es allerdings überwiegend von Familien mit Migrationshintergrund. Am stärksten vertreten waren bislang türkische Familien (312), Familien aus arabisch-sprachigen Ländern (196) sowie Familien aus Eritrea (182).

HIPPY fördert nachweislich die Entwicklung

Erhebungen, die vom Gesundheitsamt Darmstadt bei Schuleignungsuntersuchungen berücksichtigt werden, bestätigen die Wirksamkeit des Programms, erläuterte Buket Dagdelen. Kinder sind beispielsweise in ihrer Grob- und Feinmotorik etwas besser entwickelt, als Kinder, die nicht an HIPPY partizipieren. Das Gesundheitsamt ist Teil des übergeordneten Netzwerks, auf das die koordinierende Sozialpädagogin zurückgreift. Außerdem gehören Kinderärzte, Logopädiepraxen sowie Kitas für Kinder mit Migrationshintergrund dazu. „Sie empfehlen das Programm weiter, tragen das Angebot in die Familien, machen ihnen Mut, daran teilzunehmen.“

Das Programm berücksichtigt auch Gruppentreffen als Element der Elternarbeit. Dabei werden die Mütter über die Anforderungen informiert, die Schulen stellen, aber sie erfahren auch etwas über Themen wie Gesundheit und Ernährung. „Die Frauen haben Gelegenheit, ihre Erfahrungen auszutauschen.“ Leider sei in letzter Zeit die regelmäßige Teilnahme an den Gruppentreffen rückläufig, nannte Buket Dagdelen als eine der Herausforderungen. „Die Gründe sind unterschiedlich. Manchmal liegt es aber auch nur einfach daran, dass das Geld für eine Fahrkarte fehlt.“

Familienbildung: Bedarfsorientiert und differenzsensibel

„HIPPY ist eine Brücke in bestimmte Bereiche unserer vielfältigen Gesellschaft“, fasste Dr. Kemal Bozay das internationale Familienbildungsprogramm zusammen. HIPPY arbeite bereits bedarfsorientiert und differenzsensibel. Differenzen, die kulturelle Unterschiede mit sich bringen, dürften nicht negativ betrachtet, sondern sollten vielmehr als Stärken wahrgenommen werden. „Das Vertrauen der Familien lässt sich nur gewinnen, wenn sie ernst genommen werden. Sie integrieren sich dann auch in die Gesellschaft.“ HIPPY habe die Eltern als Ressource erkannt, beziehe sie mit ein und arbeite mit ihnen. Gerade Frauen aus anderen Kulturen, die ohnehin auf vielen Ebenen diskriminiert werden, gewinnen Sicherheit und Selbstvertrauen.

„Menschen helfen, Zukunft gestalten“, zitierte Dr. Gregor Wehner eingangs einen Leitgedanken des DRK Darmstadt. Damit HIPPY auch künftig die interkulturelle Öffnung der Familienbildung auf niedrigschwelligen Niveau vertiefen kann, ist das Projekt auf finanzielle Hilfe angewiesen. „Die Finanzierung ist leider nicht dauerhaft gesichert. Zwar trägt aktuell der Kreisverband einen guten Teil der Kosten. Ohne Spenden steht die Zukunft dieses sozialen Projekts jedoch immer wieder auf wackeligen Beinen. Deshalb danken wir allen, die unsere Arbeit auch finanziell unterstützen“, erklärte Jürgen Frohnert, Geschäftsführer des DRK Darmstadt abschließend.

Pressemeldung und Bilddaten zum Download:

15. Dezember 2017 09:55 Uhr. Alter: 29 Tage