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Unsere Historie

Seit 1912 im Einsatz für die Bürger von Eberstadt - von der Gründung bis zur Gegenwart

Das genaue Gründungsdatum des Eberstädter Roten Kreuzes lässt sich mangels geeigneter Dokumente aus dieser Zeit leider nicht mehr nachvollziehen. Die Namen zweier Eberstädter Bürger, die zu den Initiatoren und Gründern des DRK im südlichsten Darmstädter Stadtteil gehörten, sind jedoch überliefert: Heinrich Bausch und Georg Weizenmüller.

Zusammen mit einigen anderen Männern des damals noch selbstständigen Ortes wollten sie den alten Grundsatz „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut“ aktiv in die Tat umsetzen. Sie folgten damit dem Beispiel zahlreicher anderer Gemeinden in der Umgebung, in denen sich bereits „Bürgerinitiativen“ gebildet hatten, mit dem Ziel, ihren Mitmenschen in Notlagen zu helfen.  

Bausch und Weizenmüller bedienten sich, um weitere Mitstreiter zu finden, eines auch heute noch probaten Mittels: der Zeitung. Ihr Aufruf erschien im September 1911 in der „Eberstädter Zeitung“ und fand tatsächlich starke Beachtung. Von den damals rund 6.000 Einwohnern bekundeten 60 ihr Interesse. Dabei waren bereits damals alle Altersgruppen. 

Im Winter 1911/12 begann man, die Voraussetzungen zur Gründung einer Sanitätskolonne zu schaffen. Unter der Leitung des Arztes Dr. Ascher eigneten sich die Rotkreuz-Mitglieder das notwendige Wissen in Erster Hilfe an. Als der Kurs beendet war, bildete sich eine tatkräftige Kolonne, die aus 40 Helfern bestand.  

Zwei Jahre später kam die große Bewährungsprobe: Der Erste Weltkrieg. Die Kolonnenmitglieder mussten an der Front, in den Heimatlazaretten und in Lazarettzügen ihren Mann stehen. Die meisten Rotkreuzler kamen nicht mehr zurück. Nach Kriegsende hatte sich die Kolonne auf 16 Männer reduziert. Mit großem Eifer begann die kleine Schar mit dem Neuaufbau ihrer Kolonne. 

In den folgenden Jahren war die Arbeit von einem stetigen Auf und Ab der Helferzahl erschwert. Hinzu kam, dass man auf Spenden und Geldsammlungen angewiesen war, um das nötige Ausrüstungsmaterial zu beschaffen.  

Die finanzielle Situation und damit auch das Arbeitsklima stabilisierten sich, als 1920 der „Ortsverein Eberstadt vom Roten Kreuz“ gegründet wurde. Durch den Beitrag der fördernden Mitglieder wurde eine solide Basis geschaffen, zumal die Mitgliederzahl rapide stieg. Innerhalb kürzester Zeit zählte man 800 passive Mitglieder.  
So kam es, dass sich bereits die Leistungsbilanz des Jahres 1924 durchaus sehen lassen konnte:  

Die Eberstädter Helfer waren bei 28 Wachen präsent und leisteten bei 72 Unfällen Erste Hilfe. Sanitäter wurden bei drei Radrennen, einem Motorradrennen, einem Autorennen, beim Bergturnfest und beim Jugendturnen gestellt. Krankentransporte wurden mit einer Räderbahre durchgeführt. Im August 1925 stellten sich die Eberstädter Ärzte Dr. Gaßner und Dr. Blum als Kolonnenärzte zur Verfügung.  

Anfang der 20er Jahre gelang es der Eberstädter Rotkreuz-Kolonne, die Zahl er aktiven Helfer in diesen Jahren auf 40 zu erhöhen. Hinzu kamen 1927 die ersten weiblichen Kolonnenmitglieder, so dass 1932 eine eigene weibliche Helferschaft gebildet werden konnte. Leiterin war Dora Tüchsen. 

1927 wurde das erste Krankentransportfahrzeug, die Räderbahre, eingemottet. Der Darmstädter DRK-Krankentransport verfügte inzwischen über mehrere Automobile, so dass Muskelkraft nicht mehr gefragt war.  
Auch der Zweite Weltkrieg ging an den Helferinnen und Helfern der Eberstädter Kolonne nicht spurlos vorbei. Wieder wurden sie in Lazaretten oder im Sanitätsdienst an der Front eingesetzt.  

Der Wiederaufbau nach dem Krieg gestaltete sich aufgrund der Besatzungssituation zunächst recht schwierig. 
Bereits im Dritten Reich war das Deutsche Rote Kreuz als eingetragener Verein aufgelöst und per Gesetz in eine „Gesamtkörperschaft“ umgewandelt worden, die außer dem Reichsinnenminister auch dem Kriegsminister unterstellt war. Nicht zuletzt diese Vergangenheit bewirkte, dass die Besatzungsmächte jeglichen Aktivitäten des Deutschen Roten Kreuzes nach dem Krieg zunächst äußerst skeptisch begegneten und die Hilfsorganisation verboten.  

Das hielt aber die ehemaligen Rotkreuz-Helfer vielerorts nicht davon ab, weiterhin für ihre Mitmenschen in Not einzutreten, weiter Erste Hilfe zu leisten, wo sie gebraucht wurde, soziale Betreuung und Fürsorgedienste durchzuführen. Allerdings in Zivil und ohne Bindung an eine Organisation. So auch in Eberstadt. 1949 wurden diese Aktivitäten dann auch offiziell erlaubt. 

Im Jahr 1950 wurde dann schließlich das Deutsche Rote Kreuz als eingetragener Verein und Bundesverband, in den sich alle inzwischen entstandenen Ortsgruppen eingliederten, wiedergegründet.  Es dauerte noch vier Jahre, bis Magistratsrat Fritz Dächert zusammen mit Hermann Zickler auch die Eberstädter DRK-Ortsvereinigung wieder ins Leben rief und die aktiven Helferinnen und Helfer als offizielle Bereitschaft um sich versammelte. Schon im Winter 1954 fand der erste Kursus in Erster Hilfe für die Bevölkerung statt, an dem 60 Eberstädter teilnahmen. Manche von ihnen blieben beim DRK „hängen“. 

Bald hatte die männliche Bereitschaft 30 Helfer, die weibliche 25 Helferinnen. Dr. Gaßner fungierte zusammen mit Dr. Kunith wieder als Bereitschaftsarzt. Beide betreuten die Aus- und Fortbildung der aktiven Mitglieder und wirkten auch an den Lehrgängen für die Bevölkerung mit.  

Untergebracht war die Bereitschaft in einem kleinen Saal im Nebengebäude der Bezirksverwaltung. Das Material lagerte auf dem Dachboden. Mit den ständig steigenden Anforderungen an die Einsatzbereitschaft der Aktiven, durch den wachsenden Materialbedarf und nicht zuletzt durch Mitgliederzuwachs drohte der Raum Ende der 60er Jahre aus allen Nähten zu platzen. 

Fehlende Unterbringungsmöglichkeiten für Fahrzeuge und technische Neuanschaffungen hemmten eine Zeitlang die notwendige Fortentwicklung und Anpassung an den modernen Standard. Gemeinsam mit dem Kreisverband Darmstadt-Stadt versuchte die Ortsvereinigung Abhilfe zu schaffen. Pläne für ein eigenes Heim wurden entwickelt.  

Am Anfang stand die Suche nach einem geeigneten Grundstück. Nach langen Verhandlungen mit der Stadt Darmstadt war es 1976 endlich soweit: Das Baugelände war gefunden; ein Grundstück, rund 1.650 Quadratmeter groß, in Erbpacht, an der Ecke Pfungstädter/Eysenbachstraße/Reuterallee.

Es folgte die Zeit des Planens und des Abwägens zwischen den Wünschen und den finanziellen Möglichkeiten. In Zusammenarbeit mit dem Eberstädter Architekten Ludwig Hofmann und einem Fertighaus-Hersteller wurde der erste Entwurf entwickelt. Er überstieg allerdings bei weitem die finanziellen Möglichkeiten. Der Startschuss zum Baubeginn fiel, als man sich kurzerhand entschloss, wesentliche Teile des Gebäudes in Eigenleistung zu erstellen. 

Die Rotkreuzler hatten sich viel vorgenommen. Aber es klappte – und dazu noch in überraschend kurzer Zeit: Nach einem Jahr Bauzeit war das Haus Ende Januar 1978 im Wesentlichen vollendet. Zahlreiche Firmen aus Eberstadt, Darmstadt und den umliegenden Orten hatten tatkräftig Hilfe geleistet, waren voller Anerkennung für die „Männer vom Bau“ und deshalb auch für manchen Preisnachlass zu haben. Über 7.000 Stunden hatten die Sanitäter in ihrer Freizeit in den Bau investiert. Daneben lief natürlich der reguläre Sanitätsdienst weiter.  

Am 22. April 1978 präsentierten die Helfer nach der offiziellen Einweihungsfeier der Öffentlichkeit stolz ihr neues Heim.  Nun stand einer zukunftsorientierten, modernen Rotkreuz-Arbeit nichts mehr im Wege. Und 1979 begann sich die große Wagenhalle zu füllen: Polizeipräsident Peter C. Bernet in seiner Eigenschaft als oberster Katastrophenschützer der Stadt übergab der Bereitschaft den ersten Wagen aus dem Katastrophenschutz- Fuhrpark, einen Vier-Tragen-Wagen. 

Nach und nach folgten weitere Fahrzeuge – Mannschaftswagen, Lkw, Krankenwagen, ein Feldkochherd für Katastropheneinsätze. Damit war das DRK Eberstadt für seine Aufgaben in den 80er Jahren bestens gerüstet. Als Sanitätszuglag der Schwerpunkt im Bereich der Versorgung von Verletzten bei einer Großschadenslage.
Durch die neue Unterkunft konnten ab 1978 die bis dahin in Schulen und Turnhallen durchgeführten Blutspendetermine und Seniorennachmittage in den eigenen Räumen stattfinden. Auch stieg die Zahl der aktiven Mitglieder durch dieses doch große Vereinsheim immer weiter an, Anfang 1990 waren über 80 aktive Helferinnen und Helfer zu zählen.  

Mit der Wende und dem Fall des Eisernen Vorhangs im Osten, kamen neue Aufgaben auf das DRK zu. Da das DRK Eberstadt über den notwendigen Fuhrpark verfügte, wurde schon ab 1990 damit begonnen, Hilfeleistungen in verschiedenen Ländern in Form von Hilfsgütertransporten durchzuführen. Seit 1993 besteht eine Partnerschaft mit dem Roten Kreuz Liepaja/Lettland, und bis heute haben wir insgesamt 32 Hilfstransporte dorthin durchgeführt. 

Mit der Wende kam aber auch der Umbruch im Katastrophenschutz, es wurde Ende der Neunziger Jahre der Sanitätszug aufgelöst und ein Betreuungszug eingerichtet. Diese Einheit steht heute mit einem komplett neuen Fuhrpark als Herzstück der Vereinsarbeit zur Verfügung. Auch ist das Vereinshaus so ausgestattet, dass innerhalb von 45 Minuten eine Unterkunft für 50 betroffene Menschen, welche kurzfristig Schutz brauchen, eingerichtet werden kann. 

Eine Schnelleinsatzgruppe steht rund um die Uhr mit neun Helfern für Hilfeleistungen (wie bei den freiwilligen Feuerwehren) im Betreuungsdienst zur Verfügung. Ob Großbrände, Sturmschäden, Schneechaos auf der Autobahn oder Betreuung von evakuierten Personen aus einem Hochhaus, bei allem konnten wir mit unserer Hilfe Menschen schützen und helfen.  

Die heutige Zahl von 68 aktiven ehrenamtlichen Mitgliedern zeigt die hohe Präsenz des DRK im Ortsteil Eberstadt für die Bürgerinnen und Bürger. In Zeiten von Nachwuchsmangel in fast allen Vereinen sind wir froh, eine so große Anzahl an Helfern zu haben und freuen uns auf jeden, der unsere Arbeit unterstützen möchte.