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04.10.2018: Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge aufgelöst

„Michaelisdorf“, eine beispielhafte Flüchtlingsunterkunft – DRK Darmstadt veröffentlicht Rückblick

Die hervorragende Arbeit der Menschen im Michaelisdorf hat viele Impulse gegeben. In mehreren Projekten und Initiativen wirkt der Geist des Michaelis-dorfs nach seiner Auflösung fort. (Foto: Erik O. Martin / DRK Darmstadt)

Michaelisstraße als Einrichtung mit Modellcharakter. „Die Arbeit, die hier geleistet wurde, hat für die weitere Migrations- und Integrationsarbeit viele wertvolle Impulse gesetzt“, betonen Jürgen Frohnert und Tim Wittwer, beide Geschäftsführer des DRK Kreisverbands Darmstadt-Stadt e. V. Mit dem Beschluss des Landes Hessen, die Einrichtung an der Michaelisstraße aufzulösen, endete der Betrieb am 27. September. Der Darmstädter DRK-Kreisverband als Betreiber der Unterkunft in Auftrag des Landes Hessen hat rund drei Jahre lang einen beachtlichen humanitären Einsatz zum Wohl der Geflüchteten geleistet. Der im Michaelisdorf begonnene Weg zur Integration geflüchteter Menschen wird sich künftig in Projekten in Darmstadt fortsetzen – auch im Rahmen der DRK-Sozialarbeit. Die Schließung des „Michaelisdorfes“ nimmt das DRK Darmstadt zum Anlass, in einer dreiteiligen Beitragsserie auf die besonderen Strukturen der Einrichtung in der Waldkolonie zurückzubli-cken, die den Vorbildcharakter der Unterkunft begründen. Veröffentlicht ist diese unter www.drk-darmstadt.de/michaelisdorf.

Ende August 2015 war Darmstadt Schauplatz eines beachtlichen Katastrophenschutzeinsatzes. „Von einem Tag auf den anderen, als die Sonne aufging, war alles anders“, erinnert sich Tim Wittwer, Geschäftsführer des DRK Darmstadt. „Über Nacht waren hunderte Flüchtlinge angekommen, die un-tergebracht und medizinisch versorgt werden mussten. Kinder hatten Fieber und Magen-Darmerkrankungen. Erwachsene mussten dringend auf Anzeichen ansteckender Krankheiten und Tuberkulose untersucht werden.“ Der gesamte Katastrophenschutz wurde dafür mobilisiert. Auch Notärzte wurden aus ihren Praxen abgezogen, um im Michaelisdorf zu helfen oder am Bahnhof neu ankommende Flüchtlinge zu untersuchen. Im Michaelisdorf allein hat das DRK innerhalb eines Tages Zelte für 600 Menschen errichtet. Ein Einsatz, der von den Helferinnen und Helfern viel abverlangte – physisch und psychisch. „Es war ein wertvoller Einsatz mit einschneidenden Erlebnissen“, erläutert zurückblickend Alexander Belloff, Zugführer des 1. Sanitätszugs der Stadt Darmstadt und späterer Betriebsleiter des Michaelisdorfs. Im Rahmen des Katastrophenschutzeinsatzes mussten 75 ehrenamtliche Einsatzkräfte des DRK innerhalb eines Tages Zelte für 600 Menschen aufbauen. Das Camp mit kompletter Infrastruktur auf dem Parkplatz der Darmstädter Starkenburg-Kaserne wurde in weniger als zwei Tagen errichtet. Die dafür eingesetzten drei Katastrophenschutzzüge bildeten sich aus Kräften der Darmstädter DRK-Ortsvereine Arheilgen, Eberstadt und Mitte.

Qualität der Einrichtung liegt über dem Soll

Der prägnante Name „Michaelisdorf“ fiel das erste Mal außerhalb der Einrichtung, bei einem Treffen von Ehrenamtlichen in der Darmstädter Waldkolonie. Sie trugen die Bezeichnung in das Areal an der Michaelisstraße hinein und seitdem wurde die Einrichtung auch von offizieller Seite ganz selbstverständlich so genannt. Die Angebot aus dem ehrenamtlichen Engagement führte später die hauptamtliche DRK-Ehrenamtskoordinatorin Yasmin Chaouli im Rahmen der DRK-Sozialarbeit mit den Bedürfnissen der Bewohner des Michaelisdorfes zusammen – ihre Stelle war vom DRK extra neu geschaffen worden.

So konnten die dort untergebrachten Menschen einen strukturieren Wochenablauf mit vielen qualifizierten, gemeinsamen Aktivitäten nutzen. Fast 40 unterschiedliche haupt- und ehrenamtlich getragene Aktivitäten wie z. B. Deutschunterricht oder Betreuung in einer Kindertagessstätte wurden bis zur Auflösung des Camps angeboten. Diese trugen dazu bei, dass das Michaelisdorf eine friedliche Gemeinschaft war. Auch gleich beim Aufbau der Zelte hatten die DRK-Kräfte trotz aller Eile dafür gesorgt, dass für die Bewohner zwischen den Zelten eine Gemeinschaftsfläche – ein Dorfplatz – frei blieb.

Textserie zum Darmstädter Modell Michaelisdorf

„Das Michaelisdorf genießt bei Politik und Verwaltung sowie in Fachkreisen und Wissenschaft sogar weltweit den Ruf einer Vorzeigeeinrichtung“, freuen sich Jürgen Frohnert und Tim Wittwer über den gelungenen Einsatz für die geflüchteten Menschen. Der exemplarische Charakter der Einrichtung bestehe vor allem in der hohen Qualität ihrer Angebote im Regelbetrieb, der verlässlichen, wertschätzenden Einbindung ihrer Bewohner bei der stetigen Verbesserung der Infrastruktur und schließlich der nun anstehenden Fortführung erprobter Angebote durch die DRK-Sozialarbeit in Darmstadt.

Das DRK Darmstadt hat die wichtigsten Aspekte zur Flüchtlingsunterkunft in der nun veröffentlichten Beitragsserie dokumentiert – bei ihrer Errichtung, im Regelbetrieb und aktuell bei der Fortführung einzelner Projekte. Der Kreisverband möchte so dazu beitragen, dass sich die die Öffentlichkeit und das Fachpublikum über Strukturen und Ereignisse der Dorfgeschichte informieren können. So wird der Geist des Michaelisdorfs auch nach seiner Auflösung in der vielfältigen Gesellschaft in Darmstadt und Hessen fortgeführt.

Pressemeldung und Bilddaten zum Download:

4. Oktober 2018 13:49 Uhr. Alter: 68 Tage