Wie läuft die medizinische Versorgung auf dem Heinerfest ab? Dieser Frage gingen sechs Mitglieder der Darmstädter Stadtverordnetenversammlung aus den Fraktionen SPD, Die Linke, Volt und AfD bei einem Besuch im Medical Center des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) im Darmstadtium nach. Im Rahmen einer Führung durch den Kreisbereitschaftsleiter (KBL), Marcel Büchner, erhielten sie einen umfassenden Einblick in die Arbeit der ehrenamtlichen Einsatzkräfte und die Organisation des Sanitätsdienstes auf Südhessens größtem Volksfest.
Gleich zu Beginn stand eine zentrale Frage im Raum: Gibt es überhaupt genügend Ehrenamtliche, um einen Einsatz dieser Größenordnung zu stemmen? Die Antwort lautet grundsätzlich ja – allerdings nur dank des außergewöhnlichen Engagements vieler Helferinnen und Helfer. Ein erheblicher Teil der Ehrenamtlichen arbeitet hauptberuflich als Notfallsanitäter, Notärzte oder Pflegekräfte und kann aufgrund von Schichtdiensten flexibel eingesetzt werden. Andere Einsatzkräfte nehmen für ihren Dienst auf dem Heinerfest sogar Urlaub. Denn anders als bei Einsätzen des Katastrophenschutzes besteht für Arbeitgeber bei Sanitätsdiensten keine Möglichkeit, Beschäftigte freizustellen.
Der Umfang des Engagements ist beachtlich: Insgesamt leisteten die Ehrenamtlichen in diesem Jahr rund 3.300 Stunden Dienst auf dem Heinerfest.
In diesem Jahr versorgte das DRK auf dem Festgelände gut 290 Patientinnen und Patienten. Rund 35 Personen mussten anschließend zur weiteren Behandlung in ein Krankenhaus transportiert werden. Häufig handelt es sich dabei um Verletzungen, die zunächst im Medical Center im Darmstadtium oder in der Unfallhilfestelle am Luisenplatz versorgt werden können. „Bei einer Kopfverletzung beispielsweise kann dennoch eine weiterführende Untersuchung im Krankenhaus erforderlich sein, um innere Verletzungen auszuschließen“, erläuterte Marcel Büchner.
Das Medical Center ist dabei technisch hervorragend ausgestattet. Moderne EKG-Geräte und Defibrillatoren ermöglichen auch die Erstversorgung bei schweren gesundheitlichen Notfällen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Herzinfarkten. „Die meisten Einsätze betreffen vergleichsweise harmlose Beschwerden und Verletzungen. Dazu zählen Schnittwunden durch Glasscherben, Blasen und wundgelaufene Füße, Prellungen oder Insektenstiche. Für solche Fälle sind ständig vier bis acht Fußtrupps auf dem Festgelände unterwegs. Sie stehen per Funk mit der Einsatzzentrale in Verbindung und können bei Bedarf schnell Hilfe leisten oder lebensrettende Sofortmaßnahmen einleiten“, so der KBL.
Bei größeren Schadenslagen verändert sich hingegen die Zuständigkeit. Der Kreisbereitschaftsleiter erinnerte an einen Vorfall vor vielen Jahren, als ein Laternenmast aufgrund der Belastung durch mehrere darauf kletternde Personen umstürzte und zahlreiche Menschen verletzte. In einem solchen Fall geht die Verantwortung vom Sanitätsdienst auf die Strukturen des Katastrophenschutzes über.
Moderne IT-Infrastruktur
Beeindruckt zeigten sich die Stadtverordneten auch von der technischen Infrastruktur des DRK. Während des Heinerfests wird im oberen Stockwerk des Darmstadtiums eine moderne Leitstelle eingerichtet – in unmittelbarer Nachbarschaft zur Polizei. Da sich im DRK auch zahlreiche IT-Fachleute ehrenamtlich engagieren, verfügt die Leitstelle über eine hochprofessionelle technische Ausstattung. Diese kommt nicht nur beim Heinerfest, sondern auch bei größeren Einsätzen des Katastrophenschutzes zum Einsatz. So können die Einsatzleitungen beispielsweise in Echtzeit die Auslastung der umliegenden Krankenhäuser sowie die Verfügbarkeit spezieller medizinischer Geräte einsehen.
Ein weiterer Punkt der Führung war die Finanzierung. Viele medizinische Geräte werden aus eigenen Mitteln des DRK beschafft oder durch Spenden finanziert. Das gilt teilweise sogar für Rettungswagen. Die Anschaffung eines Fahrzeugs schlägt mit rund 50.000 – 80.000 Euro zu Buche.
Zum Abschluss interessierten sich die Stadtverordneten besonders für die Nachwuchsgewinnung. Hier spielt das Jugendrotkreuz eine wichtige Rolle. Kinder und Jugendliche werden dort altersgerecht an Erste Hilfe, soziale Verantwortung und den Katastrophenschutz herangeführt. Allerdings gelingt es nur einem Teil der jungen Mitglieder, später dauerhaft für ein Engagement in den DRK-Bereitschaften zu gewinnen. Ein Grund dafür ist, dass viele junge Erwachsene aus beruflichen oder privaten Gründen die Region verlassen.
Der Besuch hinterließ bei den Stadtverordneten einen nachhaltigen Eindruck. Deutlich wurde vor allem, welch große Bedeutung das ehrenamtliche Engagement für die Sicherheit auf dem Heinerfest hat – und wie viel Professionalität, Fachwissen und persönlicher Einsatz hinter der oft selbstverständlichen medizinischen Versorgung der Besucherinnen und Besucher stehen.


